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Mythos St. Moritz. Alle Lust will Ewigkeit
Du - Zeitschrift für Kultur 768 (07/06/2006)
Vielleicht liegt ja hier das natürliche Herz Europas, an
dieser Wasserscheide, von der aus die Flüsse in drei Himmelsrichtungen
und drei Meere strömen, ins Mittelmeer, ins Schwarze Meer und
in die Nordsee? Gewiss ist, dass man St. Moritz
und seine Oberengadiner Umgebung als mythischen Ort begreifen
muss, will man versuchen, ihn zu verstehen. Unser Sommer-«du»
nähert sich dem Mythos St. Moritz auf mehreren Wegen: indem
es ihn beiläufig entlarvt, angefangen mit jener – immer
gern kolportierten – Sage von der Wette, mittels deren
ein schlauer Hotelier den Wintertourismus bei englischen Gästen
lanciert haben soll. Cordula Seger kann in ihrer Chronik historisch
genau datieren, wann die hübsche Geschichte aufkam.
Vincent Barras geht einem andern Mythos auf den physiologischen
Grund: dem der gesunden Höhenluft (formuliert ebenso in «Heidi» –
das hier oben verfilmt wurde – wie in neuen Wellnessferienkatalogen).
Umgekehrt schreiben wir den Mythos auch fort, wenn Li Dawei,
der chinesische Dichter, der den Ort nur als Märchen kennt,
von seinem St. Moritz erzählt.
Vielleicht ist es dann auch bezeichnend, dass Hettche sich
bei seiner Ortserkundung immer wieder nach Sils zurückgezogen
hat. In das Dorf der Künstler und der Engadin-Eingeweihten,
den diskreten Gegenpol zu
St. Moritz, der auch in unserm Hefttitel nur versteckt auftritt.
Denn Sils ist ein Geheimtip, und so soll es bleiben. (Andreas
Kläui)
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